Archiv der Kategorie: Gegensätze

Warum die SPD keinen Gewinn aus der Atomdebatte schlägt…

Titelseite der aktuellen SPD-Mitgliederzeitung „Vorwärts“, Mai 2011 (erinnert stark an ein Ströbele-Plakat?!?):

Rückseite der aktuellen SPD-Mitgliederzeitung „Vorwärts“, Mai 2011 (Atom- und Kohlekonzern Vattenfall preist CO2-Verpressung an):

Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Das Weiße im Schwarzen

Was haben McDonalds, Coca Cola und Heintz Ketchup gemeinsam? Sie alle durften alternativlos das Catering für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis stellen (jedenfalls zwischen den Mahlzeiten). Dazu gab es noch eine schöne Werbephalanx mit Deutscher Bank, Unilever & Co. Kleiner Lichtblick waren ein paar unbemannte Kisten demeter-Äpfel im gleichen Raum. Bionade oder sonstiges Biofood waren auf dem ganzen Gelände vergeblich gesucht.

So kam es auch zu angeregten Unterhaltungen in der Gruppe der Ökoprofis und Greenwash-Sensiblen, was die Promodame an der Werbephalanx mit folgender Aussage quittierte: „Macht euren Stuttgart21-Kram doch zu Hause!“ Das Personal also auch: Bestens auf Nachhaltigkeit eingestellt. Fremdschämen war angezeigt.

Leicht aufgewühlt ging es in die Panels, die dank prominenter Fachbesetzung dennoch einen lohnenswerten Tag brachten:

Zunächst fiel mir der Chef von Osram auf, der sehr viel von „Licht“ sprach. LEDs sind ja das „Licht der Zukunft“ und Osram hat ein Programm entwickelt, das klimaschädliche und gesundheitsgefährdende Brennlichter eben durch Lampen ersetzt. Schon mal ein Unternehmen, dem man die traditionell verschriebene Nachhaltigkeit abkaufen darf. Die Berliner GesoBau hingegen baut laut eigenen Aussagen die größte Niedrig-Energie-Siedlung Deutschlands im Märkischen Viertel, ein sozial kritischer Teil von Berlin. Und auch der Vaillant-Chef gab sich engagiert: Sein Unternehmen vertreibt energieeffiziente Geräte und ist wie so viele geschockt vom unzureichenden Energiekonzept der Regierung, dass die wichtigen Themen „Wärme, Mobilität, Effizienz oder Kraft-Wärme-Kopplung  völlig unzureichend anspricht“.

Unternehmerisch ging es weiter mit Jamie Oliver: „Charities are bullshit, social business is the future“, brachte es der Brite auf den Punkt. Der „Naked Chef“ präsentierte Videos von US-Kindern, die Sellerie, Tomaten oder Kartoffeln immer wieder als „Onions“ (Zwiebeln) einschätzten oder einfach mit den Schultern zuckten. Oliver nutzt seine Bekanntheit, um Kindern und Jugendlichen gesunde Ernährung und das Kochen näher zu bringen. Jamie’s Tipp: „Inspire the public to expect more“ – wer weiß, was gut ist, fordert es auch ein. Die Erkenntnis: Ein Unternehmen wie McDonalds hilft niemandem – diese Arten von Firmen sollten wir uns demnächst einfach sparen, oder?!

In der Mittagspause – ich ließ mich zugegebenermaßen zu einem McCafé hinreißen – hatte ich die zufällige Ehre mit Ernst Ulrich von Weizsäcker ins Gespräch zu kommen. Sein Tipp, den er als „unpopulär“ bezeichnete: Energie muss teurer werden. Dann erst würden die nötigen Hebel für Effizienz und bedachten Verbrauch in Gang gesetzt. Ausgeführt hat das der weise Herr in seinem Buch Faktor 5.

Weiszäcker gemeinsam mit Klaus Töpfer, Thilo Bode und Götz Werner bildeten schließlich die ehrenwerte Elefantenrunde des Abends. Werner, dm-Chef und Verfechter des Grundeinkommens, merkte man die antroposophische Schule mit Fokus auf den Einzelnen an: „Die Frage ist: Können wir so in den Diskurs kommen, dass ein neues Bewusstsein entsteht? Wir brauchen den sich selbst bildenden Mensch. Es gibt keine „Konzerne“, es gibt nur Menschen, die Entscheidungen in Konzernen treffen.“ Dem entgegnete Klaus Töpfer, das zumindest den Deutschen ein wenig Zwang nicht schade: „Die haben schneller den Müll getrennt als das wir wussten, was wir mit dem getrennten Müll anfangen sollen!“. Bode hielt sich knapp und knackig: „Einzelne Industrien dürfen sich nicht weiter gegen das Allgemeinwohl durchsetzen. Wir müssen die Demokratie retten.“ Ein anregendes Panel, das für den geschulten Ökosozi Bestätigung, aber keine neuen Erkenntnisse brachte. Die weisen Herren erwähnten es selbst:

„Nachhaltigkeit“ gibt es seit dem Gipfel von Rio im Jahr 1992. Und trotzdem wird die Welt eher jeden Tag schlechter als besser.

Letzten Endes stand ich zitternd wartend auf einen 40-minütig verspäteten Regionalexpress am Flughafen Düsseldorf und blätterte begeistert in der Broschüre von Vaillant. Bei dem Gedanken an „Wärmepumpen“, die Energie einfach aus dem Erdreich holen, wurde mir zumindest das Kreativenherz warm. Fazit: Man weiß alles, man kann alles. Jetzt müssen wir nur die Industrie von gestern in die Ecke stellen und kommendes Jahr saubere Caterer nach Düsseldorf holen.

Schlau & Protest = Grün

Laut Forsa sind die Grünen derzeit zweitstärkste Partei im Land mit 24 Prozent. Laut ARD DeutschlandTrend sind die Wähler potentiell auch eher pfiffig:

33 Prozent der leitenden Angestellten und Beamten, 28 Prozent der Freiberufler und Selbstständigen und ebenfalls 28 Prozent der Befragten mit höherem Schulabschluss (Abitur, Fachhochschulreife) würden am nächsten Sonntag grün wählen.

Steinbrück liegt in der Kanzlerfrage derzeit knapp vor Merkel. 76 Prozent halten mit den S21-Gegnern. Und last not least:

Nur noch 26 Prozent der Befragten (- 21 Prozent) glauben, dass ein Bündnis aus Union und FDP gut für Deutschland ist […] Eine Regierungskoalition aus SPD und Grünen, vor einem Jahr rechnerisch völlig undenkbar, steht jetzt ganz oben und wird von 48 Prozent gutgeheißen […] Fazit in diesem Monat: Die Grünen erleben eine politische Sonderkonjunktur. Sie werden getragen von einer neuen breiten Proteststimmung, die sich zum Beispiel durch neue Anti-Atomproteste oder die Demonstrationen in Stuttgart Luft macht.

Ban Ki Moon sagt:

(Excerpt from speech on 11 August to Global Environment Forum, S. Korea)
,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,

If we fail to act, climate change will intensify droughts, floods and other natural disasters.

Water shortages will affect hundreds of millions of people. Malnutrition will engulf large parts of the developing world. Tensions will worsen. Social unrest – even violence – could follow.

The damage to national economies will be enormous. The human suffering will be incalculable.

We have the power to change course. But we must do it now.

We have just four months. Four months to secure the future of our planet.
Any agreement must be fair, effective, equitable and comprehensive, and based on science. And it must help vulnerable nations adapt to climate change.

Ladies and gentlemen,

The science is clear. We know what to do and we know how to do it. Songdo shows us the way.

What is needed is the political will. We have the capacity. We have finance. We have the technology. The largest lacking is political will. That is why I will convey some meetings focused on climate change.

Awareness is the first step. The challenge now is to act.

Since my first day as Secretary-General, I have spoken out about the grave climate change threat.

My words, at times, have been blunt.

But leaders have agreed to cut green house gas emissions by 80 per cent by 2050. That is welcomed again. But that must be accompanied by the ambitious mid-term target by 2020 as science tells us to do. There I said, while I applaud their commitment, that is not enough.

There are four points [of] very important key political issues.

First industrialized countries must lead by committing to binding mid-term reduction targets on the order of 25 to 40 per cent below 1990 levels.

Second, developing countries need to take nationally appropriate mitigation actions in order to reduce the growth in their emissions substantially below business as usual.

Their actions must be measurable, reportable and verifiable.

Third, developed countries must provide sufficient, measurable, reportable and verifiable financial and technological support to developing countries.

This will allow developing countries to pursue their mitigation efforts as part of their sustainable green growth strategies and to adapt to accelerating climate impacts.

Developing countries, especially the most vulnerable, will collectively need billions of dollars in public financing for adaptation.

Fourth, we need an equitable and accountable mechanism for distributing these financial and technological resources, taking into account the views of all countries in decision-making.

Accomplishing all of this requires tough decisions. It will take flexibility and hard work to negotiate the most difficult issues.

Trust between developed and developing countries is essential.

When governments succeed in sealing a deal in Copenhagen, we will have shown the spirit of international solidarity. We will have shown leadership – political will.

Today, we need to turn a different tide – the tide of climate change. We need bold “outside of the box” thinking.

We need your support and cooperation.

You can shape the international debate and influence important decisions.

You can encourage countries to work together.

Together, we truly can turn the tide, once again.

I need your support, your commitment, and your leadership.

Thank you very much.

simyo: Warum man vielleicht doch eventuell bald wieder dorthin wechseln kann…

Freitag schrieb ich einen doch eher emotionalen Beitrag zum Verhalten des Mobilfunkanbieters simyo. Über Twitter fand ich einen ebenfalls unzufriedenen Kompagnon und über diesen wiederum den Account @simyo_service. An diese Adresse richtete ich ebenfalls einen frechen Kommentar und – siehe da – hatte plötzlich eine ausführliche, individuelle Mail der Pressesprecherin im Postkorb.

Die Lehren:

  • Social Media kicks Verbraucherthemen und kann zumindest anständige Reaktionen erzwingen.
  • Faktisch besser is jetzt nix.
  • Sozioökonomisch: Wenn schon Pressesprecher auf schlecht gelaunte Blogger reagieren, dann steht für Unternehmen verdammt viel Kommunikationsarbeit an (=Kosten)

Und hier der Mailverkehr im unkommentierten Originalton (mit Erlaubnis der Absenderin):

Hallo Daniel,
>>
>> ich arbeite bei simyo und bin via Twitter und Deinem Blog auf Dein
>> Problem mit simyo aufmerksam geworden und wollte darum gerne Kontakt
>> zu Dir aufnehmen.
>>
>> Einfach via Email, aber wenn Du möchtest, oder es bevorzugst, würde
>> ich den Sachverhalt natürlich offen in Deinem Blog kommentieren. Ich
>> möchte nur vermeiden, dass es wie ein „offener Schlagabtausch“
>> herüberkommt.
>>
>> Mir sind 2 Punkte wichtig, da ist einmal das Verhalten des
>> Serviceteams und der Prozess als solcher.
>>
>> Ich fange mit Erstem an — hier habe ich vollstes Verständnis, wenn
>> man durch „matter of fact“ Ansagen und reines Textbausteinantworten
>> genervt ist. Und man ist auch genervt bis zum Platzen, wenn man über
>> viele Tage keinen Empfang hat. Aber — und hier kommt der Prozess ins
>> Spiel.
>>
>> Du bist (oder Du solltest) definitiv von der Sperrung mit Mail
>> (Spamfilter?) informiert worden sein. Es wird „nicht einfach mal so“
>> abgestellt. Das man aus vielerlei Gründen die Rechnung mal nicht
>> begleichen konnte, passiert. Aber so sehr man als Mensch in dem Moment
>> darunter leiden muss, als Unternehmen muss man sich schützen und all
>> die Menschen (Mitarbeiter, Kunden), die von einem abhängen. Das
>> Unternehmen/der Service, der Inkassobereich wissen ja erst einmal
>> nicht, in welcher Situation dies geschehen ist — und dürfen (für den
>> Einzelnen leider) nicht noch ein wenig warten, bis vielleicht doch das
>> Geld kommt.
>>
>> Wie gesagt, die Situation kann passieren –ist mir mit Kontowechsel
>> einmal und mit abgelaufener Kreditkarte ein anderes Mal selbst passiert.
>>
>> Was ich dann etwas verwunderlich finde, ist die Aussage, Du seiest 1
>> Monat später immer noch nicht freigeschaltet gewesen — hast aber
>> nicht dazu geschrieben, wie lange Du selbst zum Begleichen der
>> Rechnung benötigt hast. Das ist hier kein Schuldwegweisen, glaub mir,
>> ich möchte und kann uns hier nicht sauber waschen — und als Kunden
>> haben wir Dich verloren — aber Objektivität mag auch einem kritischen
>> Menschen und seinem Beitrag gut stehen. Und dafür stehe ich ein.
>>
>> Bei jedem Anbieter kostet die Rufnummernmitnahme 25 Euro und benötigt
>> einen festen Zeitraum, der bis zu 6 Wochen dauern kann — aber auch
>> viel länger, falls es zwischen den Datenabgleichen hakt. Alleine bis
>> die Prozesse zwischen den Anbietern klar sind und alles geprüft ist,
>> vergeht eine Weile. Auch hier hat das nichts mit Willkür zu tun, oder
>> mit Trietzen — Du möchtest weg, also lassen wir das zu (ich gehe hier
>> jetzt gar nicht auf Kulanz, unsere AGB’s und das Aktivitätsfenster
>> näher ein), aber es dauert eine bestimmte Zeit und es kostet –wie bei
>> allen Anbietern- das Selbe. Da kann man sich in dem Moment drüber
>> aufregen, aber das wird Dir bei jedem Anbieter gleichermaßen genau so
>> gehen. Du fühlst Dich ungerecht behandelt? Du bist kein Fan von simyo!
>> Alles akzeptiert. Aber bitte höre unsere Entschuldigung an. Es tut uns
>> sehr leid, dass das Verhältnis „zerrüttet“ auseinander geht. Und wir
>> bedauern die Tatsache, dass wir Dich mit der Art der Ansprache in Rage
>> gebracht haben.
>>
>> Die Portierung Deiner Rufnummer geschieht zum 13.8.
>>
>> Wenn ich ansonsten etwas tun kann, melde Dich gerne und jederzeit.
>>
>> Vielen Dank und alles Gute.
>>
>> Mit herzlichem Gruß nach Berlin,
>>
>> Ira
>>
>> *Ira Reckenthäler**
>> *Pressesprecherin

Meine Antwort:

> Hallo Ira,
>
> danke für die persönliche und ausführliche Antwort. Von der Sperrung
> habe ich nun mal nichts mitbekommen, es gab keine Vorwarnung, die hier
> bei mir angekommen ist. Die lange Sperrung hat mit einer folgenden,
> neuerlichen Rechnung zu tun, für die ich ebenfalls ein paar Tage zum
> Ausgleich brauchte (im Blog allerdings nicht erwähnt).
>
> Trotz aller Eigenfehler habe ich das Gefühl, dass der Provider in allen
> Sachlagen am längeren Hebel sitzt: Sofort abschalten, schlecht
> kommunizieren, harte Strafen statt Kulanz und warum eine Portierung eine
> weitere Woche dauern muss (seit rund ZWEI Wochen bin ich schon bei
> T-Mobile im Vertrag!) kann ich einfach nicht verstehen.
>
> Der Blogpost war ganz sicher auch emotional formuliert von mir (kam mit
> den tollen Neuigkeiten gerade aus dem Shop), die Sache mit
> Rechtsanwälten und Journalisten war wohl etwas dick aufgetragen. Ich
> habe derzeit keine Zeit, um alles für einen Rechtsanwalt
> aufzuschlüsseln, es würde die Kosten wohl auch nicht rechtfertigen. Aber
> ihr solltet echt mal überlegen, wie ihr da in Zukunft kommuniziert und ob
> ein Anruf oder andere direkte Arten der Kommunikation nicht sinnreicher
> sind als unpersönliche „Abstrafungen“.
>
> Danke für deine Antwort. Ich fänd’s schon gut, wenn wir diesen
> Mailverkehr (mit deiner Zustimmung) im Blog dokumentieren und sehe es
> nicht (mehr) als Schlagabtausch.
>
> Gruß,
> Daniel

Letzter Akt:

Ira Reckenthäler schrieb:
> Hallo Daniel,
>
> gerne stimme ich zu, den Mailverkehr (meine Antwort und deine Antwort) im Blog zu posten.
> Ich nehme Deinen Punkt der menschlichen, aufmerksamen Kommunikation gerne auf und trage ihn intern weiter.
> Übrigens folgen wir dir jetzt mit unserem Twitterkonto simyo_Ticker. Dahinter stehen meine Kollegin und ich.
>
> Hätten wir eher Kontakt gehabt, hätten wir Dich gerne auf der einfach@simyo.de versorgt. Wohl denn. Lass mich gerne wissen, wenn ich noch etwas tun kann.
> PR wird zwar oft als Lautsprecher profaner Werbefloskeln betrachtet, aber wir verstehen uns lieber als Mittler, mal Diplomat, mal Dolmetscher und mal als Sisyphos, der den Stein immer wieder hochrollt – und ich kann versichern, da bleibt auf dem Weg was hängen. Da kommt was an. Auch bei uns. :)
>
> Lass es Dir gut gehen!
>
> Herzlichst, Ira

#wrangelkiez

Liebe Alle,

jeder der schreiben, knipsen, filmen, reden oder einfach nur zuhören kann sei eingeladen zum Social Design Projekt Wrangelkiez Collection.

Fünf Tage lang erkunden acht internationale Designer die Nachbarschaft, suchen nach den versteckten Ressourcen des Kiezes und diskutieren mit den Einwohnern, was gebraucht wird und was den Wrangelkiez so besonders macht. Gemeinsam mit den lokalen Handwerksbetrieben und Kultureinrichtungen entwickeln die Designer Konzepte zur Belebung des sozialen und wirtschaftlichen Austausches. Dabei entstehen Produkte, graphische Arbeiten oder Dienstleistungen, welche die Kommunikation und Vernetzung unter den Anwohnern fördern.

Die lieben Designer tigern gerade durch den Kiez auf der Suche nach Problemen, ich sozialmedialisiere aus der Internetkneipe um die Ecke. Dank Kai haben wir auch einen sehr geilen Multimedia-Stream am Start.

Wenn ihr uns supporten wollt, dann stellt Bilder, Filme oder Tweets ins Netz und tagged das Ganze mit #wrangelkiez – wäre toll, wenn wir so eine gewisse Graswurzelaufmerksamkeit bekämen.

Jeden Tag um 19 Uhr gibt es eine offene Präsentation zu den Ergebnissen des Tages – ihr seid herzlich eingeladen. Wer wie ich für gewöhnlich im Prenzlauer Berg zwischen den Jungfamilien dahinsiecht, dem sei gesagt: Kreuzberg ist anders. Und immer einen Besuch wert!

Wer hat Angst vor´m bösen Web?

Quizfrage: Welche Tendenz haben Artikel einer Person, die solche Bücher schreibt?!

  • Klick – Strategien gegen die digitale Verdummung
  • Die Emanzipationsfalle
  • Die Erziehungskatastrophe: Kinder brauchen starke Eltern

Die Rede ist von FAS-Redakteuse Susanne Gaschke. In ihrem „Holzmedium“ schoss Frau G. eindringlich  gegen die Netzgemeinde, schön nachzulesen (und bereits auseinander genommen) bei (von) Tapio.

Foto von Björn per flickr.

pc09Wenn ich nicht im Netz bin, bin ich auffem Sonnendeck: Auf der anderen Spreeseite fordert ver.di den Mindestlohn, hier wird gerade über webgestützte Alternativen zum Parteiensystem diskutiert.

Über´s Wochenende haben wir uns mit einer weiteren, nicht auf den ersten Blick online-affinen Spezies namens Politiker beschäftigt.

Politcamp hieß das Ganze und das radialsystem bot im klimabedingten Frühsommer eine herrliche Location dafür.

Auch hier klang zwar nicht unbedingt Gegenwehr, aber doch Skepsis durch. Die gängigen Befürchtungen auf Seiten der Polit-Aktiven:

„Auf 140 Zeichen lässt sich kein komplexes Thema wie ein Parteiprogramm vermitteln“

Hier klingt die Pauschalvermutung durch, Neue Medien seien oberflächlich und flüchtig. Is Quatsch. Dann schickt man halt den Link zum Parteiprogramm effizienter per twitter. Ja, Nachrichten müssen noch besser „sitzen“, um in Hyperspeedmedien wie twitter eine Chance zu haben. Dennoch bleibt immer die Chance für Tiefe.

„Die Menge der fortgeschrittenen Netznutzer ist nicht relevant im Sinne einer Wahlentscheidung“

Stimmt aber sowas von. Nur: Warum haben sich dann soviele Menschen zum Politcamp erst getroffen?! Es handelt sich um eine spezifische, dennoch interessante Zielgruppe von kommunikativen, wahrscheinlich eher gebildeten und natürlich techaffinen Menschen. Wer die gewinnen will, ist im Netz richtig. Und manchmal reden die auch mit Menschen „da draußen“ und sagen, wie toll der Bütikofer auf facebook abgeht.

„Da muss ich als Politiker die privaten Hosen runterlassen – das will ich nicht“

Dann lass es. Konsequent ignoriert ist noch immer besser als schlecht mitgemacht. Und: Ein rein informativer, dem Medium entsprechend geführter Account bei twitter ist komplett ausreichend und kann viel Interesse auf sich ziehen. Natürlich spielt bei einem Obama ein völligst anderer Hype eine Rolle als dies ein deutscher Lokalpolitiker erwarten kann. Auch auf twitter macht Prominenz Eindruck, das zeigt die Vielzahl der Fake-Accounts.

Bottom Line: Weniger typisch-deutsche Skepsis, weniger Vorurteile, sondern lieber ausprobieren, neugierig sein, „lernen wollen“, so müsste Politiker an die Sache heran gehen.

Dabei viel Glück, ich mach derweil mal hier weiter…

Und hier noch ein aufgeschnapptes Zitat von Marx ohne wirklich kausalen Zusammenhang (wir im Netz dürfen das!):

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation.

Achso, summa summarum war es toll und viele interessante Menschen vor Ort – danke an die Orga!