An alle Graswurzeln:

Christoph hat mich zu seiner KarmaKonsum im Mai eingeladen, dort soll ich in einem Panel mit (vorrangig) Wirtschaftsvertretern als Sprecher der „Graswurzelbewegung“ auftreten. Nun ist ja bekanntlich kein Mensch allein vertretungsberechtigt für tausende Aktivisten, Themen und Aktionen. Deshalb einige Fragen an alle da draußen, die sich als „Graswurzel“ fühlen:

1. Wie siehst du als Aktivist die Rolle der Mainstream-Wirschaft zum Thema Nachhaltigkeit?

2. Vor welchen Herausforderungen steht die Wirtschaft? Vor welchen die Grassroots-Bewegung?

3. Wie können Kooperationen entstehen? Welche Kooperationen gibt es?

Ich danke euch sehr für eure Meinungen hier drunter in Form von Kommentaren!

Ein Gedanke zu „An alle Graswurzeln:

  1. Daniel

    1. Wie siehst du als Aktivist die Rolle der Mainstream-Wirschaft zum Thema Nachhaltigkeit?

    Ich denke die Wirtschaft muss so schnell wie möglich handeln, um die weitere Ausbeutung unseres Planeten einzudämmen. Sie muss soweit es geht, nachhaltiger werden – sprich den Ressourcenverbrauch herunterfahren und weniger Umwelt- und Sozialkosten externalisieren. Es müssen zunächst die gröbsten Misstände beseitigt werden, und die Mainstream-Wirtschaft ist mit Ihren Hebeln in einer einzigartigen Position, dies umzusetzen.

    Langfristing sehe ich jedoch keine Perspektive für die „Mainstream-Wirtschaft“ in einer nachhaltigen Welt. Das Prinzip der Profitmaximierung, die jedem Unternehmen zugrundeliegt, das „Shareholder Value“ produziere muss, hat keinen Platz in einer nachhaltigen Welt. Dies ist kein Argument gegen Profit an sich, sondern gegen den Aspekt der Maximierung, denn dies verlangt dass keine Entscheidungsgrundlage über das Profitmotiv gestellt werden kann. Wenn wir ein nachhaltiges Wirtschftssystem schaffen, dann kann Profitmaximierung keinen Platz haben.

    Vorstellbar wäre es jedoch dass einzelne Institutionen der „Mainstream-Wirtschaft“, und zwar die, die es schaffen sich dem Paradigma des „Eco-Social Return on Investment“ anzupassen, überleben könnten. Dies wäre sogar prinzipiell wünschenswert, da ein Zugrundegehen von so viel Infrastruktur auch nicht sonderlich nachhaltig wäre.

    2. Vor welchen Herausforderungen steht die Wirtschaft? Vor welchen die Grassroots-Bewegung?

    Die Wirtschaft steht vor einer existenziellen Herausforderung, und zwar welchen Platz sie in einer nachhaltigen Welt haben kann. Angesichts knapperer Rohstoffe muss sich sich auch aus Eigeninteressen die Frage nach der Zukunftsfähigkeit stellen. Dies ist jedoch eine große Herausforderung, da es momentan kaum Anreize gibt, langfristig zu denken sondern im Gegenteil, Aktivitäten mit kurzfristigem Horizont belohnt werden.

    Die Grassroots-Bewegung steht vor vielen Herausforderungen. Zum einen muss sie skalieren, um größere Hebel zu bewegen, und sie muss Wege finden, dies außerhalb der klassischen Paradigmen zu vollbringen. Klassischerweise entstehen in einer Skalierung hierarchische Strukuren, gebraucht werden jedoch flache Strukturen die lokal eingebettet funktionieren können. Sie müssen globale Probleme und Komplexitäten lokal beantworten können. Selbst viele Organisationen die sich an einem Wandel beteiligen (Aktivisten, Social Businesses, „nachhaltigkeitsorientierte Organisationen“) stehen nach wie vor vor diesem Problem des alten Hierarchiedenkens.

    Die Grassroots-Bewegung muss dazu auch massentauglich werden und einen viel größeren Kreis von Menschen ansprechen. Es muss dazu frei von Dogmen überlegt werden, wie man den Ansprüchen der breiten Bevölkerungsmasse gerecht werden kann. Es wird immer eine Mehrheit geben, für die ein gesellschaftliches Engagement nicht die Hauptrolle im Leben spielt. Diese Menschen müssen verstanden, aber trotzdem mitgenommen werden, z.B. dass Fairtrade keine Kaufentscheidung mehr ist, da alle Produkte die im Handel erhältlich sind hohen Umwelt- und Sozialstandards entsprechen. Hier sind jedoch (politisch gesetzte) Rahmenbedingungen gefragt.

    Außerdem muss es einen Wandel in den Finanzierungsfragen geben. Sie darf nicht mehr so stark von Spenden abhängig sein, sondern muss selbst Geld „erwirtschaften“. Sie müssen versuchen, nicht nur Lücken auszunutzen, sondern Konzepte entwickeln, die auch breitflächig funktionieren. Zumindest mit dem jetztigen Geldsystem muss Profit gemacht werden, dies darf nicht verteufelt werden. Es sollte sogar so sein, dass im sozialen/ökologischen Sektor Gehälter mit denen in der „freien Wirtschaft“ konkurrieren um die besten Talente anzuziehen. Entscheidend ist jedoch, dass keine Profitmaximierung stattfindet – dies ist der entscheidende Unterschied zur Wirtschaft.

    3. Wie können Kooperationen entstehen? Welche Kooperationen gibt es?

    Kooperationen können eigentlich nur entstehen, wenn es Offenheit zur Kooperation seitens der Unternehmen gibt, und diese gewillt sind, Kontrolle abzugeben, und zwar fast völlig. Auch die Graswurzelbewegung muss lernen, Berührungsängste und Vorurteile abzulegen. Ein Problem liegt jedoch darin, welche Motivation dahintersteckt. Und bei der „Mainstream-Wirtschaft“ ist leider prinzipiell davon auszugehen, dass sie keine Entscheidung treffen kann, die der finanziellen „Bottom Line“ weniger nützt als eine andere Alternative. Dies soll jedoch keine Kritik an einzelnen Akteuren sein, auch wenn sich sicher nicht alle über einen Kamm scheren lassen, aber es ist nicht zu bestreiten, dass jedes nicht-inhabergeführte Unternehmen Handlungszwängen unterlieget, die systematisch bedingt sind.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s