Eine Vision

Dominik sagt, wir sollen „das mal bloggen“, dann steht´s da und ist draußen. Stimmt und dieser Blog braucht eh dringend mal wieder Futter.

Nun, wir haben ein Projekt erfunden, in das wir grad sehr viel Hoffnung und Herzblut stecken, sind in der Finanzierungsphase und werkeln noch an allen Ecken und Enden am Konzept.

Jedenfalls sähe so meine „Vision“ von OPEN STATE aus:

Wir leben in einer Zeit vollgestopft mit Möglichkeiten und Wissen. Gleichzeitig gibt es große Hoffnungslosigkeit, wie wir die Klima-, Ressourcen- und Energiekrise noch bewältigen sollen, bevor Kipppunkte überschritten werden, die die „Welt wie wir sie kannten“ (Welzer) irreversibel verändern.

Viele Menschen sind auf dem Weg – nennen wir sie Philanthropen, Sozialunternehmer, Nachhaltige. Doch in Summe kann diese „Welle des Guten“ dem „perfekten Sturm von Krisen“ in keinster Weise standhalten. Studie um Studie beweist es und meist sind die Zahlen schlimmer als zunächst prognostiziert.

In dieser Zeit versagen – pauschal formuliert – unsere vertrauten Eliten namens Politik und Wirtschaft. Für beide Akteure sind singuläre Motivationen wie Macht/Gewinn letztlich ausschlaggebender als das Gemeinwohl, sie stecken in systemischen Logiken, die letztlich gar nicht zu durchbrechen sind. Bleibt „der Bürger“. Dem fehlt die Fantasie, die Utopie, die Konkretisierung einer lebenswerteren Welt, damit man sich gemeinsam zu einem völlig anderen Lebensstil hinwenden kann. Dabei ist nicht die Frage, ob ich „bio“ kaufe. Die Frage wäre, warum es überhaupt was anderes als bio zu kaufen gibt. Nicht die Frage, ob ich Auto oder ÖPNV fahre, sondern warum unsere gesamte Wirtschaftswelt auf dem Klimakiller Erdöl aufbaut. Es gibt im derzeit Falschen nichts Gutes, was gut genug wäre.

Wenn es so ist, wie es nicht sein darf und dazu derart komplex und überwältigend – was bleibt einem dann zu tun? Reicht es zu sagen: Ich lebe so gut es geht, ich mache das Beste draus, es geht „uns“ doch gut? Nein, einfach nur: Nein. Und deshalb mussten wir irgendwas aufschreiben und probieren das jetzt.

1. Das Gute ist schon da
Wir fassen die direkte Lebensumgebung ins Auge und konzentrieren uns auf die Sektoren Energie, Mobilität, Infrastruktur, Kommunikation und Ernährung. Wir wissen, das sich hunderte von Projekten/Unternehmen/Initiativen in diesen Themen engagieren und es besser machen als der Status Quo. Punkt 1: Wir finden sie.

2. Der Katalysator
Für einen ersten „Open State“ stecken wir zehn dieser Projekte in ein fünfwöchiges Camp, in dem sich diese ideal weiterentwickeln können. Wir trommeln Experten und Berater zusammen, die die individuellen Herausforderungen dieser Projekte behandeln (z.B. Marketing, Teamaufbau, Skalierung). Alle gemeinsam durchlaufen sechs Phasen, um am Ende deutlich gestärkt zu sein und „fit“ für den Mainstream:

> Inspiration > Konzeption > Prototyping > Vernetzung > Storytelling > Implementierung

Mainstream? Wenn da draußen so gute Ideen sind, dann müssen sie so mächtig werden, das sie zementierte Branchen umwälzen können. Kohlekraft adé, Energiegenossenschaft ahoi. Wenn wir das große Schlimme abwenden wollen, müssen wir das kleine Richtige maximieren und multiplizieren. Punkt 2: Wir haben die Methode dazu.

3. Von Open Source zu Open State
Das Netz ändert alles. Coder in aller Welt basteln freiwillig an Linux, Firefox und Co. mit und schaffen mindestens gleichwertige Produkte neben kommerziellen Lösungen. Die Crowd ist nicht nur schlauer, sie ist auch effektiver (s.a. Publikumsfrage bei „Wer wird Millionär?“). Können wir diese Logik auf nachhaltige, zukunftsfähige Projekte ummünzen? Wir versuchen es. Nach dem Camp werden alle zehn Projekte als Blaupause im Netz veröffentlicht, sind damit kopier- und erweiterbar. Was in Potsdam funktioniert, müsste angepasst auch in Pittsburg oder Pretoria gehen. Punkt 3: Alles ist offen und damit für jeden nutz- und wiederholbar.

4. Bäm!
So weit, so gut. Aber alles wurscht, wenn wir nicht den Zeitgeist treffen, eine Knallerbotschaft formulieren, Bildsprache und Emotionalität stimmen. Also brauchen wir: Kampagne. Vielen bisherigen Weltretterprojekten fehlt eben dieses „attraktive Äußere“, das aber letztlich voll ins Herz treffen muss, dort stecken bleibt und den Zuschauer zur Tat treibt. Punkt 4: Wir arbeiten dran.

5. Machen, machen, machen
Nicht die Utopie ist unmöglich, sondern unsere Gegenwart. Wir beleidigen unsere eigene Intelligenz, wenn wir wider besseren Wissens unsere ökologischen Grundlagen vernichten. Also bitteschön: Wir brauchen einen konstruktiven Spielplatz, wo wir ein anderes Leben auch wirklich ausprobieren und anfassen können. Dann erzählen wir davon vielen, vielen Menschen. Dann können wir wieder an was glauben. Dann werden wir eine Bewegung. Dann ändern sich die Dinge.

Weil wir es wollen. Weil wir es können.

2 Gedanken zu „Eine Vision

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