Schmerzfreie Atomlobby

…wie ein altes Krebsgeschwür!

Diese Edgar-Card fand ich eben beim Inder. Absender ist unser herzallerliebstes Atomforum. Leider steht nicht der hübsche Reim drauf, sondern folgende Lobby-Lügen:

Kernenergie und Erneuerbare Energien ergänzen sich optimal

In Wahrheit laufen EE-Vertreter und sämtliche Umweltverbände Sturm gegen diese Logik, denn der Betrieb unflexibler AKW behindert den zügigen Ausbau von Erneuerbaren.

Leider sind Wind und Sonne hierzulande von Natur aus nicht so zuverlässig wie in anderen Regionen der Erde

In Wahrheit übertrifft der Ausbau der Erneuerbaren bislang alle Prognosen. Die installierte Windenergie-Leistung in Deutschland liegt bei 26.387 Megawatt aus 21.315 Anlagen. Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands WindEnergie, erklärte jüngst: „Schon in zehn Jahren kann jede vierte Kilowattstunde Strom aus einer Windenergieanlage kommen. Zusammen mit Sonne, Biomasse, Wasser und Erdwärme können die Erneuerbaren dann bereits fast die Hälfte des deutschen Strombedarfs decken. Deshalb brauchen wir keine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken als so genannte Brücke ins regenerative Zeitalter. Wir haben diese Brücke bereits überschritten“. Im Jahr 2009 stammten über 16 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus Erneuerbaren Energien, im Jahr 2020 könnten es schon knapp 50 Prozent sein. Bis Mitte des Jahrhunderts ist eine Stromversorgung zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien möglich.

[AKW liefern] zuverlässige Leistung und preiswerte Stromerzeugung

In Wahrheit sind Störfälle der Meiler, die teils in den 70ern gebaut wurden, an der Tagesordnung. „Preiswert“ ist Atomstrom sehr wohl dann, wenn man die erzeugten Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie massive Subventionen flissentlich außer Acht lässt: „Forschung und Entwicklung der Atomtechnik hat maßgeblich der Staat bezahlt. Sogar den Bau der ersten Atomkraftwerke hat er kräftig aus Steuergeldern mitfinanziert – und anschließend den Abriss der Ruinen. Hinzu kommen Steuervergünstigungen, Beihilfen, Atommüll-Sanierungskosten, Staatskredite und Exportbürgschaften. Von 1950 bis 2008 summieren sich die direkten und indirekten Subventionen so auf 165 Milliarden Euro, weitere 93 Milliarden sind schon absehbar. Die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) schüttete rund 400 Milliarden Euro an die Atomindustrie aus. Und noch immer fließen jedes Jahr rund 200 Millionen Euro Steuergelder in neue Atomprojekte und Atomforschung.“ (Quelle: 100-gute-gruende.de)

Während sich also halb Deutschland wegen der Laufzeitverlängerungen der AKW auf die Zunge beißt, fährt das Atomforum munter seine Kampagne weiter, in der AKW schamlos als Klimaschützer hingestellt werden. Gern auch mal viertelseitig wie in der aktuellen ZEIT:

Klimafreundlich, CO2-frei, flexibel, sicher

Falsch, falsch, falsch und falsch! „Uranabbau, Uranerzaufbereitung und Urananreicherung verursachen erhebliche Mengen klimaschädlicher Treibhausgase. Schon heute hat Atomstrom deswegen eine schlechtere CO2-Bilanz als Strom aus Windkraft und sogar als Strom aus kleinen gasbetriebenen Blockheizkraftwerken. Künftig wird diese Bilanz noch schlechter ausfallen: Je geringer der Urangehalt im Erz, desto mehr (fossile) Energie verschlingt der Uranabbau.“ (Quelle: 100-gute-gruende.de)

Ich dachte, wir erlauben uns da mal einen Scherz. Aber jetzt haben wir einen AUFTRAG!

3 Gedanken zu „Schmerzfreie Atomlobby

  1. Miro

    Ok, alles richtig. Wir müssen insbesondere die freie Energie der Sonne besser nutzen. Das reicht für uns alle, und für (fast) immer.

    Außer: Die einseitige Darstellung. Als ob an Windkraft- und Photovoltaikanlagen keine kritischen Aspekte zu finden wären…

    Das einseitige Atom-Bashing kommt auf diese Weise unnötig populistisch und pseudo-radikal an. Hat das Thema gar nicht nötig…

    Antwort
  2. Daniel

    Ja, inzwischen komme ich bei dem Thema halt in Fahrt, sicherlich kann man hier sachlicher darstellen. Aber es ist eben eine Frechheit, sich an die Erneuerbaren anzubiedern, wenn die das Gegenteil wollen. Es ist eine Frechheit von Sicherheit und Kosten zu schwärmen, wenn das Gegenteil der Fall ist. Das diese Postkarten und Anzeigen Tausende unbescholtene Leute erreichen, die nicht ausreichend differenzieren können, wühlt mich einfach auf.

    Klar können wir auch über Probleme bei Kosten und Leistung der Erneuerbaren reden – nur gibt es zu Ihnen einfach keine Alternative und würde die Politik da endlich mal die richtigen Rahmen setzen, wären wir auch schneller am Ziel. Das Whitewashing großer Konzerne ist eine traditionelle Methode, die gleichen PR-Buden, die über Jahre den Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs gverwässert haben, wollen uns jetzt AKW als „Klimaschützer“ verkaufen – das ist meines Erachtens pervers und strafbar.

    Antwort
  3. Strom ohne Atom

    Ist halt der Vorteil der AKWS dass man keine Abgase zeigen kann etc. Da kann man sich schön profilieren. Auch mit so raffinierten unterschwelligen Mitteln. Die Stromanbieter haben eben auch prall gefüllte Taschen und können sehr viel Geld für so was ausgeben. Einzig sollte man die PR- und Werbeabteilungen loben. Die sind wirklich kreativ keine Frage. Bleibt zu hoffen, dass sie Erfolglos sind und die Menschen das Problem trotzdem weiter erkennen.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s