Berlin heute: Schlangen, Hercules, Hasen

Oder: Warum Handys Fotos machen können!

Gleich zu Beginn des Tages wurde ich mit einem Sozialphänomen konfrontiert:

Hier stehen – ich zähl mal eben nach – ca. 20 Menschen Schlange vor einem Bäcker. Jetzt mal ein Blick rechts oben ins Bild: Direkt an der Ecke – noch ein Bäcker! What happened?!

Ich hin zum Schlangenende und gefragt: „Warum stehen Sie Schlange an einem Bäcker wenn gleich hier noch ein Bäcker ist?“

„Ditt is doch keen Bäcker!“, entfuhr es sogleich dem vorletzten Mann s.o. in der Schlange. „Nur hier jibt ett noch so richtige Schrippen!“

„Traditionsbäckerei seit 1906, so wie die bäckt sonst keiner mehr“, ergänzte die ganz hinten anstehende Frau eher sachlich.

Hat mir imponiert. Die Lage des Bäckers ist ziemlich genau hier, Schönfließer Straße, Nähe Schönhauser Allee. Wer schön viel Zeit hat, kann das ja mal geschmacklich gegenchecken.

Es sei nochmal erwähnt, denn einfach war es nicht: Ich habe ein Rad! 220 Euro über eBay Kleinanzeigen. Der Charlottenburger Pflegevater gab es nur ungern her. Immer, wenn er Räder rausholt, fängt das Kind an zu weinen, das die Zweiräder als Spielzeug lieb gewonnen hat. Aber die kopfbetuchte Mutter hatte wohl Druck gemacht: Zweites Kind unterwegs, wir brauchen mehr Platz und ein bisschen Geld. Goldig. Grad ist Licht kaputt und der Hinterreifen fällt fast ab, aber bei Kulträdern muss man eben beide Augen zudrücken. Der Asphalt schüttelt direkt hoch in die Wirbelsäule, Federungen waren seinerzeit einfach noch nicht so angesagt. Aber: Man muss es lieben. Das LINKE Fahrrad im Übrigen, das andere sah nur schick daneben aus…

Ebenfalls nichts für Zartbesaitete war jene Meldung, die ich (wo sonst?) am familiengetränkten Kollwitzplatz entdeckte. Es möge ein jeder an den Trampolinen am Wasserturm doch bitte die Augen aufhalten nach Windsor! Wegen der äußerst exakten Beschreibung kann ich mir ein Verschwindenbleiben des weichen Hasen mit der Strickhose kaum vorstellen, sollten tatsächlich böse Absichten dahinter stecken, dürfte diese Annonce wohl jedes Verbrecherherz schmelzen.

Schöner Tag, letztes Foto:

Ein Gedanke zu „Berlin heute: Schlangen, Hercules, Hasen

  1. Hannes Jähnert

    Das mit der Schlage vor dem Bäcker kennt die Psychologie als „Priming“ — sowas wie der Verholzung von synaptischen Verbindungen, die auf einen bestimmten Reiz immer wieder eine ähnliche Reaktion wahrscheinlich machen. In den frühen neunzigern grassierte ein SAUDÄMLICHER (!!!) Witz, der darauf anspielte: Was macht ein Ossi, wenn er in der Wüste auf eine Schlange trifft? — Anstellen! (Ha Ha Ha)

    Übrigens Fahrad: Sowas lässt man sich doch schenken. Das ist doch gekauft nix wert! :-)

    Gruß
    Hannes

    Antwort

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