Naturkatastrophen: Erderwärmung oder geringe Sonnenaktivität schuld?

Berlin: Ein Winter mit überfrorenen Gehsteigen bis März, dann der heißeste Juli seit 100 Jahren, jetzt Aprilwetter mit starken Temperaturschwankungen. In den Medien: Hitze und Brände in Russland, Flut in Pakistan und Sachsen, ein riesiger Gletscher bricht in Grönland ab. Und wieder ein globaler Hitzerekord seit Beginn der Messungen.

Ich bin ja „befangen“. Ich glaube an den menschgemachten Klimawandel und an Erderwärmung durch Treibhausgase, die durch unser Verbrauchsverhalten im Übermaß in die Atmosphäre gelangen (Kohlestromindustrie, Fleischkonsum, Abholzung etc.). Wenn sich nun diese Meldungen in den Medien häufen und ich selbst vor Ort Änderungen wahrnehme, dann schlage ich natürlich die Brücke zum Klimawandel. Dann erinnere ich mich an die Szene aus Age of Stupid, bei der immer mehr solcher Meldungen aus der Zukunft bedrohlich aneinandergereiht werden. Dann scheint mir, das uns diese Zukunft immer näher kommt.

Als Aktivist in Sachen Klimaschutz wünsche ich mir von den Medien, diese Phänomene immer wieder in Zusammenhang mit dem Klimawandel zu bringen, damit bei der breiten Masse die Lücke zwischen Wissen und Handeln geschlossen wird. Doch lässt sich mein Rindfleischkonsum in Zusammenhang mit der Flut in Pakistan bringen? Sicherlich ginge das zu weit. Im Tagesspiegel dazu:

„Natürlich kann man ein Einzelereignis nicht in einen kausalen Zusammenhang mit dem Klimawandel stellen“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Aber die Chronik der letzten Jahre spreche eine deutliche Sprache: 2002 Jahrhundertflut der Elbe, 2003 extreme Hitze in Europa, 2005 stärkste Hurrikansaison seit Beginn der Aufzeichnungen, 2007 verheerende Brände in Griechenland, 2009 Rekordhitze in Australien. „Und jetzt die Dürre in Russland und die Fluten in Pakistan – dass das ein Zufall ist, ist sehr unwahrscheinlich“, sagt Rahmstorf. Er ist sich sicher, dass es eine Häufung von Extremereignissen gibt und dass sie auf die Erderwärmung zurückzuführen ist.

Der britische Forscher Michael Lockwood hingegen argumentiert, das eine geringe Sonnenaktivität zu Wetterblockaden und schließlich zu den Extremereignissen führen konnte, allerdings sei es „sehr wahrscheinlich, dass bei den aktuellen Extremereignissen in Russland und Pakistan die Erderwärmung und die geringe Sonnenaktivität zusammengekommen sind“. Den genauen Zusammenhang erklärt der Tagesspiegel in seinem Bericht besser als ich hier.

Bei all dem ergibt sich die Crux: Wissenschaftler wollen sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn sie sollen kühl die größtmögliche Wahrscheinlichkeit berechnen. Journalisten wollen keine „Panik machen“ und bemühen sich um eine „objektive“ Sicht der Dinge, lassen also immer auch die Klimazweifler und andere Thesen zu. Als Ergebnis bleibt ein besorgter Bürger, der jedoch keinen klaren Handlungsrahmen bekommt. Der keine Kausalität und keinen Zwang erfährt, sich und andere für den Klimaschutz bzw. klimagerechtes Verhalten einzusetzen.

Paul Hawken hat in „Blessed Unrest“ (Vollversion bei Google Books lesen!) bereits 2007 Katrina und andere Wetterextreme mit einer systemischen Weltsicht eines Ralph Waldo Emerson zusammengebracht:

Katrina and the storms that followed cannot be directly linked to climate change because separately they are only incidents. But when such extraordinary weather events occur around the globe in a single year, they are more than a collection of incidents, they begin to comprise a pattern, because the buildup of equatorial heat and the oscillating flow of the global jet stream (s.a. „Sonnenaktivität“ o.) are all part of one system. In the same year as Katrina, Los Angeles received the most rain in a century, capped by a two-foot snowfall in the mountains, winds peaking at 124 miles per hour forced the closure of nuclear power plants in Scandinavia, a record-setting drought in Portugal created conditions for the worst wildfires in the country’s history, thirty-seven inches of rain fell on Mumbai in twenty-four hours, killing a thousand people and dislocating 10 million more, and the Missouri River flowed at its lowest level since records were kept […] Although poverty and climate change seem unrelated, they have common roots for the simple reason that we are nature, literally, in every molecule and neuron. We contain clay, minerals, and water; are powered by sunshine through plant life; and are intricately bound to all other species

Wenn wir nicht mehr verstehen, was ein Baum oder ein Fluss für uns tut, wenn kurzfristige Geldinteressen über nachhaltigen Strategien stehen, wenn wir einzelne Katastrophen nicht als Ganzes verstehen lernen, dann steht uns eine sehr schlechte Zeit bevor. Jeder Einzelne mit seinem Konsum, jede Kommune mit ihren Beschaffungen und ihrer Energiepolitik, unser Land – vielleicht erst in der nächsten Regierung – muss sehr dringend die richtigen Schritte tun. Ich glaube an positive Leuchttürme, die überall zu sehen sind und verstärkt kommuniziert werden müssen. Schließlich können wir auch all die Komplexitäten in die Ecke stellen und uns an ein einfaches Credo erinnern: „Man erntet, was man sät“.

6 Gedanken zu „Naturkatastrophen: Erderwärmung oder geringe Sonnenaktivität schuld?

  1. Florian

    Volle Zustimmung, nur einen Hinweis am wording:

    „Ich glaube an den menschgemachten Klimawandel“

    Ich glaube nicht an den Klimawandel. Glauben kann man in der Kirche (oder auch nicht). Ich weiß, dass die globale Temperatur nach den derzeit verfügbaren Messmethoden bereits signifikant angestiegen ist. Ich weiß auch, dass die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre signifikant gestiegen ist und dass dies auf menschliche Aktivitäten zurückgeführt wird. Und ich weiß, dass es wissenschaftlicher Konsens ist, dass die Treibhausgaskonzentration den globalen Temperaturanstieg verursacht, dass die Treibhausgase weiter ansteigen und demzufolge auch ein höhere Temperaturen erwartet werden.

    Wer den wissenschaftlichen Konsens anzweifelt, soll Belege liefern, aber keine Glaubensfragen stellen!

    Antwort
    1. dkomm Autor

      Danke für die Ergänzung. Ich „weiß“ es natürlich auch. Ich weiß aber auch, das die Skeptiker und bestimmte Medien so derart glaubwürdige Gegendarstellungen aufstellen können, dass der weniger Informierte bei diesem Glauben stehen bleibt und, wie beschrieben, nicht ins korrekte Handeln kommt. Unser Problem ist nicht das Wissen, sondern das überzeugte Glauben mit seinen positiven Folgen. So war das gemeint.

      Antwort
  2. dkomm Autor

    UPDATE – 350.org Newsletter:

    Dear Friends,

    Sometimes ‚climate change‘ can seem like an abstraction. That is, until you see it in action, as we have this summer in Pakistan, in the mountains of China, in Ladakh, and in the overheated peat bogs of central Russia.

    This is all part of the reality we face in our current world of 392 ppm CO2. Our main work is to try and slow down the climate crisis before it gets worse–by getting to work on climate solutions that can get us back to 350.

    But working to create a safe climate future doesn’t mean we don’t need to try and help the victims of the climate crisis along the way. When our comrades and colleagues issue a call for assistance, we do everything we can to respond.

    The recent floods in Pakistan have displaced 20 million people, and nearly a fifth of the country is literally underwater. The scale of the suffering is difficult to fathom–and though relief efforts are underway, reports from the ground indicate that the response has been far too small and slow to provide the level of relief needed.

    That’s why we hope you’ll take a moment to send some money off to the relief agencies and local groups dealing with the recent climate disasters:

    http://www.350.org/disasters

    Antwort
  3. Stephen Boy

    Ich glaube, dass die Erde als Organismus den Trend zur Selbstzerstörung hat, Menschenwerk hier sekundär ist.
    So wie auch der Organismus „menschlicher Körper“ grundsätzlich vergehen muss, der menschliche Geist dies durch falsche Lebensweise allerdings beschleunigen kann!

    Antwort
  4. burkha.com.pl

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    Antwort

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