Was machen Sie in zehn Jahren, RWE?

Die brand eins fragt Unternehmer, wie sie die Zukunft sehen. Jürgen Großmann, Chef von RWE, darf dazu unkommentiert Folgendes sagen:

RWE ist erst 112 Jahre alt und hat noch viele Jahrzehnte, möglicherweise Jahrhunderte vor sich. Wir wollen sogar noch wachsen. Warum? Weil wir das technologische Wissen für den anstehenden Umbau der Energiewirtschaft und das Kapital haben, um diesen zu finanzieren. Gerade die neuen Energien brauchen die Unterstützung neuer Kraftwerke und Netze, um sie wirtschaftlich zu entwickeln und zuverlässig zu den Verbrauchern zu transportieren. RWE hat bei aller Tradition die Kraft zur Innovation und investiert fast 20 Millionen Euro pro Tag in erneuerbare Energien, moderne Netze und konventionelle Kraftwerke.

Ist es nicht wunderschön im RWE-Gummibärchenland, wo die Schmetterlinge sich den Regentau aus den Flügeln schlagen? „Neue Energien brauchen Unterstützung“, „Millionen für Erneuerbare“ – es ist so goldig, dass sich ein millionenschwerer CEO für unsere saubere Zukunft einsetzt! Allein, die Verhältnisse stimmen nicht. Das meint die NGO Urgewald zu RWE:

Klimakiller, Kernkraftmüller, Kassenfüller

Rekordgewinne von über sechs Millionen Euro, steigende Dividenden und ein vervierfachter Aktienkurs seit 2003: RWE verdankt den gigantischen Gewinn seinen Kunden, die Jahr für Jahr überhöhte Strompreise bezahlen. Wer weg will von Profitstreben und Machtmissbrauch, Atom und Kohle, wechselt am besten zu einem unabhängigen Ökostromanbieter. Die Energiewende liegt in der Hand eines jeden Kunden. Seine Macht, die Stromkonzerne zur Weichenstellung zu bewegen, ist groß wie nie zuvor.

RWE verspricht im Jahresbericht, dass sie „GROSSES BEWEGEN.“ Aber was?

Meinen sie den Ausbau von Dinosauriertechnik wie die geplanten Braunkohlekraftwerke in Neurath und Niederaußem, die jährlich zusammen über 32 Millionen Tonnen CO2 austossen werden? Die geplanten Steinkohlekraftwerke in Hamm-Uentrop und Arneburg, die zusammen auf jährlich über 18 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß kommen? Oder die Beteiligung am neuen Steinkohlekraftwerk in Mannheim, das jährlich über 5 Millionen Tonnen CO2 freisetzen wird?

Mit 150 Mio. Jahrestonnen CO2 ist RWE bereits jetzt Europas Klimasünder Nr. 1.

Oder geht es dabei um RWEs Engagement gegen den Atomausstieg? Herr Großmann kämpft für eine Verlängerung der Laufzeiten aller 17 deutschen Kernkraftwerke, wozu auch RWEs uralter Pannenreaktor Biblis gehört. Für den ungestörten Betrieb der Atomkraftwerke soll die Urananreicherungsanlage in Gronau ausgebaut werden, wo im Januar ein Mitarbeiter erhöhter Strahlenbelastung ausgesetzt wurde. Zudem gibt es neue Transporte ins Atommüllzwischenlager Ahaus.

Es wäre toll, wenn angesehen Magazine die Weste schmutziger Energiebosse nicht mitwaschen würden. Einer brand eins hätte man es zugetraut.

2 Gedanken zu „Was machen Sie in zehn Jahren, RWE?

  1. Fabian

    Ich habe mir brand eins ein paar mal angetan und fand, dass es überquoll vor neoliberaler, wertkonservativer Denke.
    Wenn ich dann sowas lese, stelle ich keine weiteren Fragen mehr.

    Antwort
    1. dkomm Autor

      Findest du?! Ich halte brand eins für grundsätzlich auf der richtigen Seite, hier haben sie wohl einfach nicht genau hingeschaut. Da ich bereits im netten Kontakt mit Mitarbeitern war, würde ich mich hier abgrenzen von Grundsatzkritik. Habe heute erst einen anderen Artikel aus dem gleichen Heft weiterempfohlen ;-)

      Antwort

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