Protestpremiere

Für jemanden mit meinem doch recht engagementären Hintergrund ist´s schon recht peinlich, noch nie auf einer Demo gewesen zu sein. Letzte Woche war es dann soweit und zu ca. 2000 zogen wir gegen das Atomforum los. Die Herren der großen Stromkonzerne versammelten sich im Maritim an der Friedrichsstraße um zu besprechen, wie sie ihre Atomschleudern der Öffentlichkeit noch glaubwürdiger als „Klimaschützer“ verkaufen können.

War Tschernobyl etwa klimaneutral?

…fragte dazu eines der gezeigten Transparente. Ich mag diesen Uraltvergleich nicht so sehr, weil er genauso mit der Angst spielt, wie die Energieversorger uns mit ihrem Gewäsch von der Energielücke einnehmen wollen. Fakt ist: Jeder Tag AKW-Betrieb spült Millionen in die Kassen der Konzerne. Und trotz Zwischenfällen etwa in Biblis oder im Lager Asse, trotz des strahlenden Giftmülls, der noch für Millionen Jahre unsere Nachfahren beschäftigen wird, trotz der vorhandenen alternativen Energiequellen, wollen die großen Energieerzeuger ihre Auslaufmodelle über die Zeit retten und den Atomausstieg zu Fall bringen.

Gerade beim Thema „Atom“ denkt man an Rastalocken, Batikshirts und Pappnasen mit Trillerpfeifen. Und die waren wie immer auch dabei. Das Gros der Demonstranten sind jedoch kritische Bürger wie du (?!) und ich und es entsteht ein recht wohliges Gefühl der Solidarität, wenn man zu hunderten durch Berlins Mitte zieht, die Bürosklaven staunend aus dem Fenster schauen und man selbst folgenden Gedanken nicht los wird:

Tja, wir sind diejenigen, die euch mal den Arsch retten werden.

Defintiv nervig waren die Lautsprecherdurchsagen von „Linke Jugend X“ und „Bürgerbewegung Y“ mit ihren politischen Meinungen, zu denen ich eigentlich nicht angetreten war und unter deren Flagge man dann fremd-vereinnahmt wird. Ein stimmiges Highlight war dagegen der Song „Du schreibst Geschichte“ bei voller Lautstärke unter der S-Bahn Friedrichstraße. Rein stimmungsmäßig rate ich den Initiatoren außerdem dazu, die Ultras aus den Fußballkurven zu gewinnen. Dann können die ihr „Auf Wiedersehen“ und „Ihr könnt nach Hause fahren“ noch sinnvoller als sonst einsetzen…