Archiv der Kategorie: Gefeiert

Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Das Weiße im Schwarzen

Was haben McDonalds, Coca Cola und Heintz Ketchup gemeinsam? Sie alle durften alternativlos das Catering für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis stellen (jedenfalls zwischen den Mahlzeiten). Dazu gab es noch eine schöne Werbephalanx mit Deutscher Bank, Unilever & Co. Kleiner Lichtblick waren ein paar unbemannte Kisten demeter-Äpfel im gleichen Raum. Bionade oder sonstiges Biofood waren auf dem ganzen Gelände vergeblich gesucht.

So kam es auch zu angeregten Unterhaltungen in der Gruppe der Ökoprofis und Greenwash-Sensiblen, was die Promodame an der Werbephalanx mit folgender Aussage quittierte: “Macht euren Stuttgart21-Kram doch zu Hause!” Das Personal also auch: Bestens auf Nachhaltigkeit eingestellt. Fremdschämen war angezeigt.

Leicht aufgewühlt ging es in die Panels, die dank prominenter Fachbesetzung dennoch einen lohnenswerten Tag brachten:

Zunächst fiel mir der Chef von Osram auf, der sehr viel von “Licht” sprach. LEDs sind ja das “Licht der Zukunft” und Osram hat ein Programm entwickelt, das klimaschädliche und gesundheitsgefährdende Brennlichter eben durch Lampen ersetzt. Schon mal ein Unternehmen, dem man die traditionell verschriebene Nachhaltigkeit abkaufen darf. Die Berliner GesoBau hingegen baut laut eigenen Aussagen die größte Niedrig-Energie-Siedlung Deutschlands im Märkischen Viertel, ein sozial kritischer Teil von Berlin. Und auch der Vaillant-Chef gab sich engagiert: Sein Unternehmen vertreibt energieeffiziente Geräte und ist wie so viele geschockt vom unzureichenden Energiekonzept der Regierung, dass die wichtigen Themen “Wärme, Mobilität, Effizienz oder Kraft-Wärme-Kopplung  völlig unzureichend anspricht”.

Unternehmerisch ging es weiter mit Jamie Oliver: “Charities are bullshit, social business is the future”, brachte es der Brite auf den Punkt. Der “Naked Chef” präsentierte Videos von US-Kindern, die Sellerie, Tomaten oder Kartoffeln immer wieder als “Onions” (Zwiebeln) einschätzten oder einfach mit den Schultern zuckten. Oliver nutzt seine Bekanntheit, um Kindern und Jugendlichen gesunde Ernährung und das Kochen näher zu bringen. Jamie’s Tipp: “Inspire the public to expect more” – wer weiß, was gut ist, fordert es auch ein. Die Erkenntnis: Ein Unternehmen wie McDonalds hilft niemandem – diese Arten von Firmen sollten wir uns demnächst einfach sparen, oder?!

In der Mittagspause – ich ließ mich zugegebenermaßen zu einem McCafé hinreißen – hatte ich die zufällige Ehre mit Ernst Ulrich von Weizsäcker ins Gespräch zu kommen. Sein Tipp, den er als “unpopulär” bezeichnete: Energie muss teurer werden. Dann erst würden die nötigen Hebel für Effizienz und bedachten Verbrauch in Gang gesetzt. Ausgeführt hat das der weise Herr in seinem Buch Faktor 5.

Weiszäcker gemeinsam mit Klaus Töpfer, Thilo Bode und Götz Werner bildeten schließlich die ehrenwerte Elefantenrunde des Abends. Werner, dm-Chef und Verfechter des Grundeinkommens, merkte man die antroposophische Schule mit Fokus auf den Einzelnen an: „Die Frage ist: Können wir so in den Diskurs kommen, dass ein neues Bewusstsein entsteht? Wir brauchen den sich selbst bildenden Mensch. Es gibt keine „Konzerne“, es gibt nur Menschen, die Entscheidungen in Konzernen treffen.“ Dem entgegnete Klaus Töpfer, das zumindest den Deutschen ein wenig Zwang nicht schade: „Die haben schneller den Müll getrennt als das wir wussten, was wir mit dem getrennten Müll anfangen sollen!“. Bode hielt sich knapp und knackig: „Einzelne Industrien dürfen sich nicht weiter gegen das Allgemeinwohl durchsetzen. Wir müssen die Demokratie retten.“ Ein anregendes Panel, das für den geschulten Ökosozi Bestätigung, aber keine neuen Erkenntnisse brachte. Die weisen Herren erwähnten es selbst:

“Nachhaltigkeit” gibt es seit dem Gipfel von Rio im Jahr 1992. Und trotzdem wird die Welt eher jeden Tag schlechter als besser.

Letzten Endes stand ich zitternd wartend auf einen 40-minütig verspäteten Regionalexpress am Flughafen Düsseldorf und blätterte begeistert in der Broschüre von Vaillant. Bei dem Gedanken an “Wärmepumpen”, die Energie einfach aus dem Erdreich holen, wurde mir zumindest das Kreativenherz warm. Fazit: Man weiß alles, man kann alles. Jetzt müssen wir nur die Industrie von gestern in die Ecke stellen und kommendes Jahr saubere Caterer nach Düsseldorf holen.

Utopia Konferenz 2010

Utopia, Plattform für strategischen Konsum, lädt zum dritten Mal zur Konferenz nach Berlin. Wie immer warten hochkarätige Gäste und ein netter Austausch mit der nachhaltigen Netzwerkfamilie. Es soll interaktiver werden und man ist umgezogen in die Malzfabrik (vorher: radialsystem).

ZUM PROGRAMM

Menschen, die wir interviewen werden: Renate Künast, Jochen Stay (Pressesprecher .ausgestrahlt) und Andy Hobsbawn (“The Green Thing”). Menschen, die sonst noch toll sind: Hannes Jaehnicke, René Obermann, Harald Welzer (Autor “Das Ende der Welt wie wir sie kannten”). Es lohnt sich – wir sehen uns dort!

Somebody is singing

Mit einem herbeigeholten roten Faden die letzten Tage resümiert:

Charlotte Gainsbourg, die schon mit Beck musizierte und mit Depp spielte, konnte gestern mit Engelszungen nicht gegen den Sound der eigenen Band an. Auch ein zwischenzeitlicher Bassklang, der die Eingeweide kernig durchmassierte, zeugte nicht gerade von der Qualität des Geräuschmeisters in der Volksbühne. Madame G. ist bekanntermaßen ein langbeinig-fragil-attraktives Wesen, zum Publikum bekam sie aber keinen Draht, zu schüchtern and not entertaining at all. Zum Songs runterhören kann man auch die Platte kaufen, was nicht so schlecht wäre, denn die Songs klangen eigentlich super und vielleicht ist darauf auch die Charlotte korrekt eingeregelt.

No more years of hurt
No more need of dreaming
We can dance nobodys dance
We could dance it in France
It’s coming home
Football’s coming home

… lauten doch tatsächlich die letzten Zeilen des Hits “Three lions on the shirt”, den sonst sogar deutsche Fans arglos mitsummen. Das erste WM-Tor Wayne Rooneys muss nun noch mindestens vier Jahre warten, es war die höchste je einer englischen Mannschaft zugefügte WM-Niederlage und 44 Jahre nach Wembley sind wir endlich quitt. Übrigens: Auch bei Einwurf und Freistoß ist die Abseitsregel aufgelöst (erklärte die Süddeutsche). Sollte man ausnutzen gegen Argentinien. Ich brauche es euch nicht zu sagen: Welch legendärer Spaß das war!


“Totes Fleisch, totes Fleisch…” ächzte ein frenetischer Wurstsack mit Gitarre auf den Treppen der Frankfurter Börse. Der Harrach zelebrierte Kundalini-Yoga in Partnerübung mit seinem Fixie-Bike. Weiß gekleidete Menschen dinierten auf dem Vorplatz und wurden zur Sicherheit von der Polizei eingekesselt. Holtrup organisierte noch einen Sechserpack Rotwein aus den Lagern. Thomas D betete zu uns und am Ende gab es T-Shirts umsonst und feuchte Hände.

Hä?!? KarmaKonsum!

Na und dann, ja dann, war da noch dieser Hurricane. Das Hurricane. Das Festival. Jüngere Menschen blieben länger wach und gleich laut. Man stößt im Alter doch an Grenzen. Da helfen Profi-Ohrstöpsel und Velours-Luftmatratzen auch nicht weiter. Sonntags um 10h begannen die Zeltnachbarn mit “Trichtern”, also Bierdosen aus Gartenschläuchen exen. Danach dreschten sie auf herumliegende Müllteile ein, stoisch, ca. zwei Stunden lang. Irgendwann beginnt man mitzulachen.

Die künstlerischen Highlights: Skunk Anansie aus fünf Metern und auf ihren Füßen von Fans gehalten “Weak as I am” schreien sehen. Mit den Beatsteaks und tausend Anderen sich hinhocken, um gemeinsam wieder hochzuspringen. Mit Charlie Winston “The whole world in your hands” halten. Mit Faithless glauben, die Welt kann doch noch “One” werden. Mit Madsen den Abend verbringen und über den bedröhnten Sänger der Strokes einfach nur lachen. Anstrengend, zu teuer, schön.

Colour the streets, unleash the web

I had a fascinating personal “social media moment” today:

I took this photo from the 1st floor of Berlins well-known digital nomad café St. Oberholz. It shows the Rosenthaler Platz, a vivid crossing in the middle of Berlin. Naturally, this place is normally not painted, but plain grey as street asphalt happens to be.

Minutes before, bikers had poured paint from big boxes in front of cars that waited for green lights. So the cars and their wheels, if the driver wanted it or not, became the brush tool for this guerilla public art piece.

I could gather the info that the action had no commercial background but can rather be connected to the movement and idea of “reclaim the city”. Activists taped posters on the lights reading “abwaschbar, biologisch, abbaubar” to ensure that the paint did no real long term harm to the junction. I still think that most of those car drivers will freak out back home seeing their wheels and Karosserie coloured over and over…

UPDATE: Berliner Zeitung reports:

Feuerwehr und BSR mühten sich am Sonntag vergeblich, den Asphalt von den Farbschlieren zu befreien. Zum Ärger der motorisierten Verkehrsteilnehmer, denn die bunten Streifen sehen zwar schön aus, irritieren aber auch beim Fahren.

UPDATE II: Video from just/blogsport and more pics at urbanshit – thanks guys!

UPDATE III: Did I mention that there was a journalist from the Netherlands around?! Photo today in print edition of De Telegraaf

So I shot this pic with my mobile and posted it on Twitpic combined with a Tweet (short message on Twitter). It got me about 30 more than 50 ReTweets (= citations on Twitter) or mentions (@dkomm) so far, which for an A-Web-Opinion-Leader might not sound much, but is for me a personal record. This minute I’m posting, the photo got 760 950 1118 2986 3624 views online.

Think about the “art” and the action what you want to, but I find it highly fascinating how this news spread so quickly and how a well regarded action on street made its way through the web.

Klimapräsident Nasheed in Berlin: “Those last two lines cloud the facts”

Der maledivische Präsident Mohamed Nasheed kam nach Merkel-Besuch heute früh an die FU Berlin. Weltweit bekannt wurde Nasheed durch die erste Parlamentssitzung unter Wasser, mit der er medientauglich auf die Folgen des Klimawandels hinwies. Der kleine Staatschefs eines kleinen Inselstaates zeigte sich als ein seltener Aktivist an der Staatsspitze. Eindringlich regte sich Nasheed über den “E-Mail Leak” kurz vor den Klimaverhandlungen in Kopenhagen im Dezember 09 auf – scheinbar gezielt vor dem Gipfel platziert, gelangten E-Mails von Wissenschaftlern des IPCC an die Öffentlichkeit, die Uneinigkeit über das Klimathema suggerierten und von der Presse stark aufgebauscht wurden.

“The science is straight”, bekräftigte Nasheed, dass einige Unstimmigkeiten in E-Mails nicht das insgesamt warnende Ergebnis des Klimaberichts unterminieren könnten. “Where is the investigative journalism to reveal this conspiracy?”, sandte Nasheed auch eine Kritik an die Medien. Wenn Journalisten heute von seinem Auftritt in Berlin berichten würden, würde es in den letzten zwei Zeilen wieder beiläufig um den Mailskandal gehen, “and those two lines cloud the facts” – diese zwei Zeilen säen die Zweifel im unbescholtenen Bürger.

In spätestens zehn Jahren wollen die Malediven klimaneutral wirtschaften und somit ein Beispiel setzen, das sich eine grün orientierte Wirtschaft ebenso rentieren kann. Als Kernproblematik der bislang gescheiterten Klimaverhandlungen machte Nasheed das Mißtrauen von Entwicklungsstaaten ggü. Industriestaaten aus. “Developing countries must no longer think that the industrialized nations want to halt their development using the climate argument – we have to move on from the past”. Der UN-Prozess müsse radikal vereinfacht werden, damit die Substanz wieder in den Vordergrund treten könne. Ein Lob schließlich für unsere Kanzlerin: “Angela was the only head of state [from the industrialized nations] in Copenhagen that stood on the side of the island states.”

Wilde Woche mit Workshop

Eine Woche, drei Events, jetzt glücklich aus dem Bett bloggend.

Jedes einzelne verdient mehr Aufmerksamkeit, als ich es hier jetzt nur kurz anreißen kann/will:

  1. Palomar5 Summit: Nach sechs Wochen Zusammenarbeit präsentierte ein Team von 30 Menschen U30 ihre Ergebnisse zum Thema “Zukunft der Arbeit”. Die Präsentationen hatten Höhen und Tiefen, manche Idee habe ich im Netz schon mal in besser gesehen. Bottom-line: It’s not the future, it’s the friendship, stupid. Man sah eine zusammengewachsene Kreativkommune mit spannenden, intelligenten, überzeugenden Charakteren, nur noch keine Ergebnisse im eigentlichen Sinne. Tolle Gespräche mit den Teilnehmern nach dem offiziellen Ablauf. Fortsetzung folgt hoffentlich. Den Damen und Herren jetzt erstmal angenehme Entspannung nach harter Arbeit am und im Camp!
  2. F*!

  3. Utopia Konferenz: Man hatte sie schon fast wieder vergessen, rumgemeckert am Redesign, von Rausschmissen gehört. Gründerin Claudia Langer legte zu Beginn der Konferenz überraschend alle Karten auf den Tisch und sprach von harten Zeiten. Utopia offline erwies sich mal wieder als wertvoll. Eine tolle Veranstaltung mit spannenden Speakern wie Harald Welzer und Morten Lund (Bild oben), die wir auch interviewen durften. Alte Bekannte und freundliche neue Gesichter getroffen, aber selbst in den verlängerten Pausen kaum Zeit für konzentrierten Austausch. Gefühl der Überinformation setzte schon hier ein, trotz konkreter Roadmap am Ende der Konferenz das Gefühl: Einfach mal machen, einfach mal wieder vor den Rechner klemmen und Aktionen statt Diskussionen. Üppiger Goodiebag. Danke dafür, die nachhaltige (hochklassige) Szene auch in (eigenen) Krisenzeiten zusammen zu bringen.
  4. Re:think the Climate: Unser eigener Workshop unter Anleitung der Kollegen von Ingosu. Mit der Methode des Design Thinking wollten wir der komplexen Klimathematik auf den Pelz rücken. Im ersten Teil (Infos reinziehen) nicht viel Neues, wenn man eingelesen ist. Dann sehr leidenschaftliche Gespräche in meiner Gruppe, tolles Brainstorming. Erst beim Abendessen mitbekommen, das andere Gruppen wohl zäher abliefen. Menschenzoo eben. Selbst rumcatern und denken strengt an. Wünsche mir eine Woche Urlaub, aber es geht Volldampf gen Kopenhagen, für mich von Berlin aus.

Lieblings-Outtake vom Workshop: Die Klu-Klux-Klima-Bürgerwehr…

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Hier noch mehr Bilder.

<a href=”http://www.flickr.com/photos/daniel_dropping/4138996158/&#8221; title=”F*! von daniel_dropping bei Flickr”><img src=”http://farm3.static.flickr.com/2625/4138996158_7ec6edaca7.jpg&#8221; width=”500″ height=”281″ alt=”F*!” /></a>